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Richtig streiten: Konflikte in der Beziehung konstruktiv lösen

Streit in der Beziehung ist nicht unbedingt schön, aber wichtig. Wir haben Tipps und Hinweise gesammelt, um Streit in der Beziehung konstruktiver zu gestalten – für dauerhaft glückliche Beziehungen trotz aller Meinungsverschiedenheiten.

Richtig streiten © Gettyimages

Wer sich in einer Beziehung nicht ab und an streitet, kann ungesunde Beziehungsmuster produzieren – das ist eine Weisheit, die bei vielen Paaren angekommen ist. Wie allerdings lässt sich mit typischen Streitthemen konstruktiv umgehen? Denn Streiten muss man als Paar, als Liebende und als Freunde erst lernen. Auf allen Ebenen.

Ein Kernpunkt vieler Diskussionen ist nämlich: Da werden zu viele Ebenen miteinander vermischt. Vielleicht nörgelt die oder der Liebste über das stehen gelassene Geschirr (Paarebene), aber eigentlich geht es um die Vorbildwirkung als Eltern (Elternebene). Oder der Herzensmensch bricht wegen der spontanen Dienstreise einen Streit vom Zaun, weil der geplante Ausflug in den Zoo ausfällt (Paarebene), vermisst aber eigentlich die Aktivitäten mit dem Herzensmenschen (Freundschaftsebene).

Beziehungen sind vielschichtig:

  • Glückliche Paare sind nicht einfach nur verliebt – sondern auch innig freundschaftlich miteinander verbunden!
  • Paare und Eltern agieren oft unterschiedlich – selbst dann, wenn sie beides in Personalunion sind.
  • Verliebte sehen über viele Dinge hinweg, auf der Paarebene muss das gemeinsame Zusammenleben trotzdem besprochen werden, ohne dass die Verliebtheit darunter leidet.

Vermischen sich die Themen und die Streitanlässe, ist konstruktives Diskutieren kaum noch leistbar. Stattdessen werden alte Konflikte heraufbeschworen, die nie wirklich gut geklärt und gelöst wurden.

Ganz typisch sind dann Sätze wie diese hier:

  • „Ja, aber als du vor sechs Monaten zu spät gekommen bist, da hast du dieselbe Ausrede benutzt! Wie soll ich dir noch vertrauen?“
  • „Immer lässt du alles fallen und liegen, wenn du nach Hause kommst. Heute bin ich nur noch dabei, dir hinterherzuräumen!“

Manche Paare beschließen deshalb für sich, einfach gar nicht mehr zu streiten. Dann werden Konflikte hinweggelächelt und totgeschwiegen. Ist das gesund für die Beziehung? Natürlich nicht!

Warum Streiten das Zeichen für eine gesunde Beziehung ist

Konstruktiv mit Kritik und Konflikten umgehen zu können, ist im beruflichen Umfeld enorm wichtig. Warum fällt es dann im privaten Bereich so schwer? Eine Erklärung dafür liegt meist in der Kindheit – einer Zeit, in der Gehorsam deutlich mehr zählte als das Aushandeln von Bedingungen. Solche Muster ziehen sich durch das spätere Beziehungsleben – und konstruktives Streiten auf persönlicher Ebene ist plötzlich etwas, das gelernt und geübt werden muss. Dabei lässt sich aus der Beziehungs- und Bindungsforschung klar ableiten, dass eine wirksame Streitkultur von großer Bedeutung für ein dauerhaftes Liebeglück ist. Wer konstruktiv mit Problemen umgeht, schafft eine ausgeglichenere Basis für die Beziehung – negative Gefühle und unterschwellige Kränkungen durch einen längst vergangenen Streit erhalten so erst gar keinen Raum. Gleichzeitig üben Paare, die konstruktiv streiten, eine wertschätzende Kommunikationsform, mit der echte Konflikte gelöst statt totgeschwiegen werden!

Streittypen: Von Harmoniesüchtigen und Wutgetriebenen

Bevor sich Paare in der Beziehung an eine konstruktivere Streitkultur wagen, ist eine Bestandsaufnahme hilfreich. Wer streitet eigentlich wie – und warum?

 

Streittyp Typisches Verhalten Typische Sätze Auswirkungen auf die Streitkultur
Harmoniesüchtig Ausweichen

"Ach, du hast sicherlich recht."
"Lass uns nicht weiter drüber streiten. Das passt schon so!"

Konflikte bleiben ungelöst
Aggressionsgeladen Drohen und beleidigen "Du spinnst!" "Bist du deppert?!"
"Lass den Mist/Lass mich in Ruhe damit!"
Angst bei der Partnerin/dem Partner
Analytisch Argumente sezieren "Du widersprichst dir doch selbst!"
"Grad gestern hast du das Gegenteil behauptet, leg dich mal fest!"
Konflikte bleiben ungelöst (und die Freude am konstruktiven Streiten schwindet)
Emotional Emotional erpressen "Das würdest du nicht sagen, wenn du mich wirklich liebst!"
"Wie kannst du nur mit mir zusammen sein, wenn ich doch so furchtbar bin?"
Konflikte bleiben nicht nur ungelöst, sondern häufig völlig unausgesprochen

Streittyp: Harmoniesüchtig

Konflikte werden weggelächelt, Diskussionen im Kern abgewürgt und der häufigste Satz lautet hier wohl: „Du hast sicherlich recht.“ Selbst dann, wenn die oder der Harmoniesüchtige doch eigentlich im Recht wäre. Streiten ist kaum möglich, denn der auf Harmonie bedachte Herzensmensch verweigert jede Konfrontation, tritt den Rückzug an – und Konflikte bleiben dauerhaft ungelöst. Unterschwellig bleiben negative Emotionen zurück, die sich immer weiter aufstauen, durchaus bei beiden Partnern.

Streittyp: Aggressionsgeladen

Jeder Konflikt wirkt wie ein persönlicher Angriff – und dann fliegen ganz schnell die Fetzen. Aggressionsgeladene werfen gern und viel mit Dingen oder persönlichen Angriffen um sich. Die eigentlichen Konflikte bleiben bestehen, meist gibt die Partnerin oder der Partner klein bei, um der aggressiven Stimmung zu entfliehen.

Streittyp: Analytisch

Jedes Argument wird auf die Goldwaage gelegt, sorgfältig seziert und auf Inkonsistenzen geprüft. Letztlich geht es gar nicht um die Lösung eines Konflikts, sondern höchstens um die Formulierung der Streitfrage. Die Diskussionen sind zwar intellektuell sehr herausfordernd, nur findet sich am Ende der Diskussion kein Fortschritt, sondern höchstens Frust auf der Gegenseite.

Streittyp: Emotional

Emotionale Streittypen nehmen jede Form von Kritik als persönliche Angriffe wahr. Emotionale Erpressung ist ein häufig gewähltes Mittel, um den Herzensmenschen möglichst schnell vom Konflikt weg und in eine beschwichtigende Haltung zu bringen. Auch Schmollen, dramatische Abgänge mit zugeschlagenen Türen und der Griff zur Schweigebestrafung gehören bei diesem Streittyp zum Repertoire.

Konflikte werden nach einiger Zeit in der Beziehung oft gar nicht mehr angesprochen, damit das Gegenüber nur nicht wieder in Tränen ausbricht und sich persönlich angegriffen fühlt.

Richtig streiten © GettyImages

Kleine Ausnahme: Gerade Frauen berichten oft davon, dass sie vor Wut und Frust mit den Tränen kämpfen und deshalb in Diskussionen mit ihrem Herzensmenschen kaum noch ernst genommen werden. Tränen sind an der Stelle kein Versuch, dem Liebsten jede Art von Streit schnell abzugewöhnen, sondern ein wortwörtlicher Überfluss an Emotionen, der irgendwo hinmuss. Wer darunter zu leiden hat und in Konflikten deshalb oft den Kürzeren zieht, kann mit kurzen, bewussten Atemübungen zumindest wieder Gewalt über die eigene Stimme erhalten.

Lösungen für Streitgehemmte

Streiten will also gelernt sein, aber die Umsetzung ist schwierig, vor allem für Harmoniesüchtige und diejenigen, die Kritik sofort persönlich nehmen.

Regeln für einen respektvollen Umgang miteinander

Erste-Hilfe-Maßnahmen für solche Momente:

  • Handzeichen vereinbaren, wenn kurze Momente als Auszeit nötig sind, um sich zu sammeln
  • In Bewegung bleiben, denn Paare streiten beim Gehen, Spazierengehen oder bei normalen Haushaltstätigkeiten häufig konstruktiver
  • Bei sehr emotionalen Themen lieber vertagen, statt sofort das Thema auszufechten

Konfliktfähigkeit stärken: Ideen für konstruktives Streiten

Glückliche Paare nutzen oft eine sehr offensive, aber konstruktive Kommunikation, um Diskussionen und Konflikte auszutragen:

  1. Sie verwenden „Ich-Botschaften“, um Anklagen, Beschwerden und Ablehnung aus ihren Formulierungen herauszuhalten.
    Beispiel: Statt „Immer vergisst du wichtige Termine!“ besser „Ich möchte mich darauf verlassen können, dass du an unsere Termine denkst. In letzter Zeit hat das gar nicht geklappt und das ärgert mich sehr.“
  2. Sie formulieren, was sie sich wünschen und welche Gefühle das Verhalten der oder des Liebsten in ihnen auslöst.
    Beispiel: Statt „Du machst mich krank!“ besser „Ich fühle mich wertlos, wenn du dich so verhältst. Ich wünsche mir, dass du an der Stelle mehr Rücksicht auf mich nimmst!“
  3. Sie gestehen dem Herzensmenschen und auch sich selbst einen Spielraum zu, um die Wünsche und Bedürfnisse zu erfüllen.
    Beispiel: Statt „Immer arbeitest du so lange!“ besser „Ich konnte mit deinen langen Arbeitszeiten in der Vergangenheit gut zurechtkommen, aber so langsam fehlst du mir und ich möchte abends mehr Zeit mir dir verbringen. Ich bin nicht gewillt, das so weiter zu akzeptieren.“ Oder „Es ärgert mich zwar, dass du solange arbeitest, aber ich weiß, wie wichtig es dir ist – und deshalb kann ich es für weitere zwölf Monate akzeptieren. Danach müssen wir das erneut besprechen, weil ich das langfristig so nicht mittragen möchte.“

Die Positionen und Streitfragen sind sorgfältiger formuliert und erfordern im Grunde schon vorher eine gute Einschätzung, wie man selbst dazu steht. In manchen Beziehungen finden solche Gespräche achtsam und spontan statt. Wer zu den eher unkonstruktiven Streittypen gehört, braucht vielleicht etwas mehr Vorbereitungszeit. Dann ist es ganz hilfreich, sich einen konkreten Gesprächstermin zu vereinbaren, sich selbst Argumente vorzubereiten – und sich dann erst gemeinsam mit dem Streitthema zu befassen.

In Kindertagesstätten sind recht regelmäßig kleine Poster zu finden, auf denen Regelwerke für den Umgang miteinander aufgeführt werden. Auch Erwachsene können sich zum Beginn einer Beziehung miteinander zusammensetzen und solche Dinge für- und miteinander regeln:

  • Bei einem Streit verschwindet keiner wortlos aus der Tür für Stunden oder gar Tage – Abstand ist o.k., aber es wird zumindest das Handy für Notfälle mitgenommen oder es gibt eine kurze Rückmeldung, wenn man einfach ziellos durch die Gegend fahren möchte.
  • Keine Tiefschläge mit persönlicher Beleidung, Drohung oder Gewaltanwendung
  • Time-outs und eine Vertagung des Gesprächs sind in Ordnung, wenn eine oder einer nicht mehr kann, sich zu belastet oder bedrängt fühlt – aber Diskussionen dürfen so nicht unendlich vertagt werden!
  • Es gibt ein klares Endsignal für intensive Streits und Debatten – vor allem dann, wenn die analytischen Streittypen sie unendlich ausdehnen könnten.

Die Kommunikation danach: Zueinanderfinden nach dem Streit

Der Konflikt ist eskaliert, vielleicht sind auch weniger wertschätzende Sätze gefallen – und jetzt? In vielen Partnerschaften tanzen die Partner umeinander, möglichst vorsichtig und sehr bedacht darauf, bloß keinen weiteren Streit auszulösen.

Typischerweise wird von Kommunikationsexperten dazu geraten, bloß nicht abends zu streiten, und wenn doch, dann aber bitte trotzdem das Busserl zum Einschlafen nicht zu vergessen. Wer ehrlich wütend aus einem Streit herausgeht, kann sich dazu aber nicht unbedingt überwinden.

Die geschicktere Lösung: Eine Umarmung
Immerhin ist Körperkontakt für Beziehungen unverzichtbar. Und auch wenn man auf die oder den Liebsten gerade wirklich sauer ist, ist eine Umarmung heilsam. Sie bringt die Nähe und Bindung zum Liebsten wieder zurück – wenigstens in Ansätzen. Und dann ist der restliche Alltag kein arger Eiertanz, sondern schon wieder etwas einfacher möglich.

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